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Tintenblut
      
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Verfasst: Fr 22.06.12 09:04
Nur mal so vorweg: Das, was ich im Abi gelernt habe (speziell Mathe), konnte ich in der Zeit in der ich studiert habe eher wenig was mit anfangen.
Es ist eher eine Frage der Motivation an Dinge heranzutreten. Außerdem werden bei den meisten Unis / FH vor Studienbegin Tutorien angeboten, die man tatsächlich wahrnehmen sollte.
Ich hatte angefangen an einer FH zu studieren (Wirtschaftsinformatik). Und hatte vorher mein Abi auf einem Gymnasium mit Schwerpunkt Wirtschaft gemacht.
Für mich persönlich war eine Universität einfach zu "anonym". In Fachhochschulen sind die Kurse übersichtlich hinsichtlich der Kursteilnehmer und meines erachtens hat man das gleichzeitig an der Motivation der Professoren selbst gemerkt.
Die Wichtigsten Dinge für ein Studium sind wohl Interesse, Motivation, ein gewisses Verständnis für die Materie, die Fähigkeit für sich aber vor allem auch in Teams zu arbeiten.
Das A und O in einem Studium ist es, Anschluß an andere Kommilitonen zu finden. Als Einzelgänger kommt man hier nicht weit.
Wie bereits von anderen Vorgeschlagen, solltest du dir einen Termin bei der Arbeitsagentur geben lassen. Auch ein Gespräch mit der Studienberatung in der Uni kann sehr informativ sein. Meistens hat man hier auch nochmal die Chance, einfach einen Studenten vor Ort anzuhauen, um sich direkte Erfahrungsberichte mit dem Studiengang anzuhören.
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thepaine91 
      
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Verfasst: Fr 22.06.12 13:46
Danke für eure Antworten.
Eure Tipps und Erfahrungen haben mir sehr geholfen.
Und ich kann euch nur zustimmen, denn Erfolg hängt immer von der Einstellung ab.
Natürlich freue ich mich weiterhin über Beiträge zu diesem Thema.
Gruß
nic
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Regan
      
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Verfasst: Fr 22.06.12 17:03
thepaine91: Da du vorher schon eine Ausbildung gemacht hast, empfehle ich dir eine Universität. Die praktischen Grundlagen solltest du schon haben, die theoretischen lernst du an der Uni.
Tintenblut hat folgendes geschrieben : | | Für mich persönlich war eine Universität einfach zu "anonym". |
Das lässt sich nicht pauschalisieren. Es gibt durchaus auch kleine Universitäten, bei denen du zwar in Vorlesungen für alle relativ untergehst. Aber gerade in speziellen Vorlesungen, die nur für deinen Studiengang angeboten werden, ist die Anzahl recht überschaubar. In einer Vorlesung bei mir sitzen z. B. acht Studierende (davon zwei Wiederholer). Dann kann der Vorlesende auch mal auf Fragen eingehen.
Allgemein ist das natürlich auch abhängig vom Studiengang und vom Semester. Während Informatik relativ viele beginnen, schaffen es doch die wenigsten bis zum Abschluss.
Tintenblut hat folgendes geschrieben : | | Nur mal so vorweg: Das, was ich im Abi gelernt habe (speziell Mathe), konnte ich in der Zeit in der ich studiert habe eher wenig was mit anfangen. |
Bei mir hat Abi-Mathe in den ersten zwei Semestern vollkommen ausgereicht.
Sinspin hat folgendes geschrieben : | | Es gibt aus meiner Sicht mehrere Arten an ein Problem heranzugehen. Entweder weil man soll (90% Versager), oder weil man keine Lust hat was anderes zu machen (70% Versager). Oder, weil man etwas erreichen will (<10% Versager). Und dann passt auch die Motivation und das Ergebnis! |
Vergiss nicht die, die wegen ihren Eltern oder Geschwistern studieren.
Delphi-Laie hat folgendes geschrieben: | | Das alles sollte man sich - wie auch immer - im wesentlichen bereits vorher angeeignet haben. Im Studium wird dafür keine Zeit mehr sein / bleiben, und wenn man erst einmal den Anschluß verloren hat (ohne Abiturkenntnisse wird es fast sofort der Fall sein), ist es ohnehin meistens zu spät. |
Du scheinst etwas veraltete Vorstellungen von Schule und Abitur zu haben. Das Abitur kannst du auch mit Kunst als Leistungskurs erhalten und trotzdem Informatik studieren. Ein Schlussfolgerung von Abi auf Studium ist hinfällig. Sehr intensiv bemerkt man das, wenn die Frage nach dem Abi-Schnitt ab der zweiten Studiumwoche gar nicht mehr gestellt wird. Fertigkeiten aus dem Abitur können helfen, leider gehört methodisches Vorgehen und Selbststudium (worauf es im Studium ankommt) bei vielen nicht dazu. Außerdem stimmt die Einstellung vieler Abiturienten nicht: Viele wollen die "Zeit ihres Lebens" haben. Wenigstens in der Prüfungszeit sollte man diese Einstellung ablegen.
Die Universität ist nicht dafür da, Abiturienten mehr Einstiegsgehalt zu verschaffen, sondern um wissenshunrigen Menschen eine Grundlage zu bieten, ihre Fähigkeiten und ihr Wissen zu erweitern.
Edit: quote-Desaster aufräumen
Zuletzt bearbeitet von Regan am Fr 22.06.12 19:01, insgesamt 1-mal bearbeitet
Für diesen Beitrag haben gedankt: Martok
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Mathematiker
      
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Verfasst: Fr 22.06.12 18:08
Tintenblut hat folgendes geschrieben : | | Nur mal so vorweg: Das, was ich im Abi gelernt habe (speziell Mathe), konnte ich in der Zeit in der ich studiert habe eher wenig was mit anfangen. |
Das sind die Aussagen, die ich kaum noch hören kann. Es fehlt nur noch: "In Mathe war ich schlecht und trotzdem bin ich super erfolgreich."
Vielleicht muss man immer wieder daraufhinweisen:
Die allgemeinbildende Schule ist kein(!) Vorbereitungslehrgang für ein Informatik-, Mathematik-, Medizin- oder sonst etwas Studium. Das kann die Schule nicht leisten, da sie Allgemeinbildung vermittelt. Das Gymnasium soll Studierfähigkeit erreichen, d.h. man soll in der Lage sein, aber auch den Willen haben, sich selbständig(!) Wissen anzueignen, mit Hilfe der Unibeschäftigten natürlich.
Ob das Gymnasium dieses Ziel erreicht, sei dahin gestellt. Wer glaubt, die Uni ist eine direkte Fortsetzung des Gymnasiums scheitert. Der Vorwurf, die Schule oder die Lehrer sind schlecht, ist stets nur eine Ausrede.
Eine mir bekannte und wirklich sehr gute Uni hat nach 2 Semestern Informatikstudium Abbruchquoten die geradezu als dramatisch anzusehen sind. Hauptursachen sind:
1. völlig irrige Vorstellungen von Informatik
2. fehlende Eigenschaften wie Pünktlichkeit, Fleiß, Anstrengungsbereitschaft und vor allem Selbstkritik
3. katastrophale Fähigkeiten im logischen Denken, aber auch in den Grundlagen der Mathematik
4. finanzielle Probleme
Der Schule daraus einen Vorwurf zu machen, ist genauso sinnvoll, wie die Fahrschule für schlechte Autofahrer zur Rechenschaft zu ziehen.
Beste Grüße
Mathematiker
_________________ Töten im Krieg ist nach meiner Auffassung um nichts besser als gewöhnlicher Mord. Albert Einstein
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Delphi-Laie
      
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Verfasst: Fr 22.06.12 19:04
Regan hat folgendes geschrieben : | Delphi-Laie hat folgendes geschrieben : | | Das alles sollte man sich - wie auch immer - im wesentlichen bereits vorher angeeignet haben. Im Studium wird dafür keine Zeit mehr sein / bleiben, und wenn man erst einmal den Anschluß verloren hat (ohne Abiturkenntnisse wird es fast sofort der Fall sein), ist es ohnehin meistens zu spät. |
Du scheinst etwas veraltete Vorstellungen von Schule und Abitur zu haben. |
Nun mal halblang! Abitur ist die allgemeine Hochschulreife, davon wurde offiziell nie abgerückt (von "Schmalspur-"/Fachabiturs einmal abgesehen). Daß die "VerPISAung" auch in diesem Bereich munter voranschreitet, ist nicht meine Schuld (wenn ich mir allein die schriftlichen verbalen Ausdrucksfähigkeiten in den Foren ansehe, und auch die allgemeinen Umgangsformen, das erlaube ich mir jetzt ausnahmsweis noch mal einzuwerfen). Umgekehrt wird in speziellen Fächern sehr auf Leistung getrimmt, und Vertiefungen werden angeboten, ja gefordert, die sicher für bestimmte Studienrichtungen vorteilhaft sind. Abiturienten, die in Informatik mit Baumstrukturen in Leistungskursen m.E. fast schon gequält werden - da geht bei mir allmählich das Mitleid los. Dafür wird es dann im Studium aber relativ erholsam.
Regan hat folgendes geschrieben : | | Das Abitur kannst du auch mit Kunst als Leistungskurs erhalten und trotzdem Informatik studieren. |
Wieso ich? Damit bin ich längst durch!
Regan hat folgendes geschrieben : | | Ein Schlussfolgerung von Abi auf Studium ist hinfällig. |
Eben! Kunstvertiefung z.B. ist für die allerallermeisten Studenten vom fachlichen her nutzlos. Aber das trifft letztlich auf (fast) alle Leistungskurse zu. Lediglich Sprachen und - mit Abstand - Mathematik sind fast immer und überall zu gebrauchen.
Mathematiker hat folgendes geschrieben : | | Die allgemeinbildende Schule ist kein(!) Vorbereitungslehrgang für ein Informatik-, Mathematik-, Medizin- oder sonst etwas Studium. Das kann die Schule nicht leisten, da sie Allgemeinbildung vermittelt. |
Jein. Sie ist kein Vorbereitungslehrgang für ein konkretes, spezielles Studienfach, sondern ein allgemeines für jedes! Mit dem Aneignen bestimmter Wissenserwerbsmethoden (oder dem Aussieben derer, die sie nicht Erlernen) ist es aber nicht getan: Das Wissen muß im wesentlichen schon vorhanden sein, im Studium ist keine Zeit mehr, mit - jetzt bleiben wir bei Deinem Fach - Induktion, Grenzwerten, Infinitesimalrechnung u.ä. zu beginnen. Letztlich kann man darob schon philosophieren, ob eine der beiden Funktionen wichtiger ist (und welche) oder ob sie - wenigstens prinzipiell - gleichwertig sind. Ich tendiere zu letzterem.
Mathematiker hat folgendes geschrieben : | | Das Gymnasium soll Studierfähigkeit erreichen, d.h. man soll in der Lage sein, aber auch den Willen haben, sich selbständig(!) Wissen anzueignen, mit Hilfe der Unibeschäftigten natürlich. |
Hier meine volle Zustimmung (s. weiter oben in diesem Beitrage).
Mathematiker hat folgendes geschrieben : | | Der Vorwurf, die Schule oder die Lehrer sind schlecht, ist stets nur eine Ausrede. |
Evtl. sogar eine "Selbstbelügung", wenn man sich das einredet oder gar daran glaubt. Auf jeden Fall ist - mal wieder - der andere schuld, die Welt also - scheinbar - halbwegs in Ordnung.
Ergänzung: Strukturierte Arbeitsweise ist nicht immer vonnöten. So gab es unstrukturiert bis chaotisch arbeitende Menschen, die es zu wundersamen Ergebnissen brachten, so der Mathematiker Srinivasa Ramanujan und der Physiker Wolfgang Pauli. Nur, beides waren Genies!
Zuletzt bearbeitet von Delphi-Laie am So 24.06.12 11:10, insgesamt 1-mal bearbeitet
Für diesen Beitrag haben gedankt: Mathematiker
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Martok
      
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Verfasst: Sa 23.06.12 02:32
Ich möchte nochmal drauf hinweisen, dass dieses Thema doch eigentlich nicht so sehr an Bildungspolitik (da werdet ihr in spätestens 3 Beiträgen {*} sein) ist, sondern viel mehr konkret hilfreiche Tipps zur Studienwahl für thepaine91.
Und da würde ich dem zustimmen:
Regan hat folgendes geschrieben : | thepaine91: Da du vorher schon eine Ausbildung gemacht hast, empfehle ich dir eine Universität. Die praktischen Grundlagen solltest du schon haben, die theoretischen lernst du an der Uni. |
Eine meiner Kommilitoninnen (seltsames Wort) hat genau das gemacht: abgeschlossene Ausbildung und dann Studium (Maschinenbau) an der Uni. Hat auch noch den Vorteil, dass sie keine Praktika mehr zu machen braucht, da die komplette erforderliche praktische Zeit angerechnet wird.
Außerdem würde ich dir Vollzeit empfehlen: Abendstudium klingt zwar handlicher, aber das Arbeitspensum ist praktisch das gleiche - nur dass du nebenbei noch arbeitest (so ist es jedenfalls gedacht). Freizeit hast du dann kaum noch.
Dual ist Blödsinn, die Ausbildung hast du ja schon.
Was die Fächer angeht: grob geschätzt alles was GIt (Grundlagen der Infomationstechnik) enthält dürftest du mit dem FI machen dürfen. So ist jedenfalls bei uns der Zusammenhang zwischen Ausbildung "Industrie-{irgendwas}" und Lehrveranstaltung "Konstruktions{lehre/technik}"
Sollte irgendwas davon schon von anderen geschrieben worden sein: tut mir leid, bei dem vielen Off-Topic hier könnte ich das überlesen haben.
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{*} Spätestens, nachdem jemand bemerkt, dass das Deutschland ist, wir hier also 16 Bildungssysteme haben, die sich auch noch im Schnitt alle 6-8 Jahre ändern (je nach Landtagswahlergebnis). Das macht praktisch alle allgemeinen Antworten hier sowohl richtig als auch falsch - eure Erfahrungen mögen so gewesen sein, aber dass das heute noch (selbst im gleichen Bundesland) so ist ist nicht gesagt.
Und dann ist da ja noch die Bolognese die Bologna-Reform.
_________________ "The phoenix's price isn't inevitable. It's not part of some deep balance built into the universe. It's just the parts of the game where you haven't figured out yet how to cheat."
Für diesen Beitrag haben gedankt: Kha
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