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Mathematiker
      
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Verfasst: Do 13.12.12 23:51
Hallo,
ich habe gerade die "Weihnachts"-LK Informatik meiner "Lieblinge" korrigiert, nun ja, mit einem mittelmäßigen Ergebnis.
Ich denke, es ist vielleicht ganz interessant, wenn ich diese hier mal veröffentliche.
Vor Weihnachten schreibe ich immer eine Multiple-Choice-LK. Die Schüler finden es toll (bis sie die LK sehen) und ich habe wenig Korrekturaufwand.
Die LK; 30 Minuten Zeit; ist für eine 10.Klasse, die in der 9. und 10. je Woche eine Stunde "Delphi" hatte. Behandelt haben wir bisher außer den Standardkomponenten vor allem Zeichenketten, statische Felder sowie Text- und typisierte Dateien.
Für die LK waren nur eine ASCII-Tabelle und ein Taschenrechner als Hilfsmittel zugelassen.
Wichtig ist noch, dass in der Klasse nicht nur Informatikinteressierte sitzen. Außerdem werden alle Komponenten so benannt, dass kein Irrtum möglich ist. Natürlich kann ich ein Edit-Feld auch "label" nennen, solche Spitzfindigkeiten sind hier ausgeschlossen.
Ihr könnt es Euch ja einmal ansehen und anschließend schimpfen, was für ein "schrecklicher Schülerquäler" ich bin.
Immerhin, es gab auch Schüler, die alles richtig hatten.
Beste Grüße
Mathematiker
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Narses
      

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Verfasst: Fr 14.12.12 00:05
Moin!
Danke für deinen Einblick, findet man nicht oft.
Allerdings frage ich mich, was - mit Ausnahme von Frage 12 und evtl. noch 13 - diese Leistungskontrolle mit "Informatik" zu tun haben soll?  Nix?  Du fragst Programmiertechniken und Syntax einer speziellen Sprache ab, aber das als Informatik zu bezeichnen... nunja...  In meinen Augen: seeehr gewagt.
Zugegeben, es kommt darauf an, was das Ziel dieser Stunden sein soll.  Allerdings würde ich bei Informatik weniger "Handwerk" als "Wissenschaft der Informationsverarbeitung" erwarten.  Unter dem Gesichtspunkt des Titels der Unterrichtseinheit wäre mein Urteil zum Entwurf deiner LK: Thema verfehlt.
cu
Narses
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Gausi
      
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Verfasst: Fr 14.12.12 00:11
Bei ein paar Sachen wüsste ich auf Anhieb jetzt auch nicht die richtige Antwort (z.B. bei der random-Ascii-Frage). Generell finde ich das aber in Ordnung - auch wenn ich Narses zustimme. Wobei: Hier wird die Info1-Klausur aber auch zu einem guten Teil aus C bestehen.
@mittelmäßiges Ergebnis: Dass bei uns im Tutorium auf die Frage "wie berechnet man den Umfang eines Dreiecks" mit Schweigen geantwortet wird, sag ich jetzt nicht. Das wäre ja wirklich peinlich.  Die Umsetzung in C war dann das nächste Problem, aber C ist ja auch wirklich doof. 
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Mathematiker 
      
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Verfasst: Fr 14.12.12 00:14
Hallo Narses,
Narses hat folgendes geschrieben : | Allerdings frage ich mich, was - mit Ausnahme von Frage 12 und evtl. noch 13 - diese Leistungskontrolle mit "Informatik" zu tun haben soll? Nix? |
Dein Hinweis ist vollkommen berechtigt.
Ich habe nicht erwähnt, dass bei uns die Klassen 9 und 10 eine Wochenstunde "Informatik" (so heißt es offiziell) haben und der Lehrplan die Programmiersprache Delphi (oder andere Sprache) vorschreibt.
Dies ist Vorarbeit für die Sekundarstufe II, bei der dann wirklich Inhalte der Informatik unterrichtet werden. Nur, dass dort einige Fertigkeiten in der Programmierung vorausgesetzt werden. Deshalb der Stoff in der 9 und 10.
Diese übertriebene Bezeichnung von Unterrichtsfächern ist aber leider weit verbreitet.
In den Klassen 5 bis 8, evtl. 9, hat der "Mathematik"-Unterricht auch kaum etwas mit Mathematik zu tun. Besser wäre "Rechnen" als Bezeichnung, aber das klingt nicht so wissenschaftlich.
Beste Grüße
Mathematiker
Nachtrag: Ich versuche auch in Klasse 9 und 10 teilweise etwas richtige Informatik einfließen zu lassen, z.B. neben einfachen Verschlüsselungsverfahren, verschiedene Sortieralgorithmen und Ähnliches.
Bei einer Wochenstunde ist dabei aber nicht viel machbar.
Außerdem habe ich in den letzten Jahren verstärkt die Erscheinung, dass ich erst einmal prinzipielle Dinge begreiflich machen muss.
Wer es nicht erlebt, kann kaum glauben, dass in eine Methode z.B. zuerst die Berechnung und danach die Eingabe der Größen geschrieben wird. Dass logisch von oben nach unten abgearbeitet wird, verstehen einige Schüler auch nach 1 Jahr noch nicht. Kommen dann noch Schleifen oder Tests ins Spiel, sind die echt überfordert.
Am Dienstag habe ich erst versucht(!), einem Schüler den Unterschied zwischen "=" und ":=" begreiflich zu machen. Nach 20 Minuten hatte er es immer noch nicht begriffen.
So etwas kostet viel Unterrichtszeit und daher schaffen wir in den 2 Jahren auch nur die Grundfertigkeiten der Programmierung. Leider.
Ich zeige mal noch das Produkt eines Schülers der 9.Klasse nach 45 min:
Delphi-Quelltext 1: 2: 3: 4: 5: 6: 7: 8: 9: 10: 11: 12: 13: 14:
| procedure TForm1.Button1Click(Sender: TObject); begin var a,b,c,u,v = integer; u:=strtoint (edit1.Text); V:=u-1; a:=u*v; b:=(u^2-v^2)/2; c:=(u^2+v^2)/2; c^2:=b^2+a^2; listbox1.text:=inttostr (a,b,c);
Tut mir Leid ich kann das nicht. :D Schön aussehen tuts aber. ;) end; |
Berechnet werden sollten pythagoreische Tripel, den Algorithmus hatten wir vorher ausführlich besprochen.
Die letzten zwei Zeilen waren wirklich im Quelltext. Das ist leider die Realität.
Eigentlich müsste ich mein Gehalt zurückzahlen. Aber wenn das so wäre, würden fast alle Informatiklehrer verhungern.
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Narses
      

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Verfasst: Fr 14.12.12 00:48
Moin!
Mal vorab: Das hat jetzt nix mit dir zu tun, geht mehr so um Schule im Allgemeinen...
Mathematiker hat folgendes geschrieben : | Ich habe nicht erwähnt, dass bei uns die Klassen 9 und 10 eine Wochenstunde "Informatik" (so heißt es offiziell) haben und der Lehrplan die Programmiersprache Delphi (oder andere Sprache) vorschreibt.
Dies ist Vorarbeit für die Sekundarstufe II, bei der dann wirklich Inhalte der Informatik unterrichtet werden. Nur, dass dort einige Fertigkeiten in der Programmierung vorausgesetzt werden. Deshalb der Stoff in der 9 und 10. |
Leider bestätigt mich deine Erläuterung in meinem Verdacht, dass der Karren unseres Schulsystems nicht im Dreck steckt, sondern schon (seit Jahren!) komplett darin versunken ist...
Wer plant denn so einen Quatsch und nennt das dann Informatik? Wenn ich im Sek.II "Informatik" unterrichten möchte, aber Programmierfertigkeiten voraussetze, dann unterrichte ich keine Informatik - weil da braucht man das nicht.  Statt dessen vermittle ich als Schule den SuS den falschen Eindruck, Informatik hätte was mit Rumfummeln an Computern zu tun.  Und diese SuS sitzen dann an der Uni in Tutorien, die erstmal einen Eindruck vermitteln müssen, was denn Informatik eigentlich wirklich ist. Bei so viel Ignoranz und Fehlplanung könnte ich kotzen.
Ich hatte auch von der 7-10 "Computerunterstützten Mathematik-Unterricht" (ja, so hieß das damals noch, da gab´s ja kaum Info-Lehrer, nur fortgebildete Mathe-Pauker  ). Und dann Info-LK bis ins Abi. Wir haben den eigentlichen Stoff an der Tafel durchgezogen, und zur "Belohnung" durften wir dann auch mal eine Doppelstunde pro Woche ein bischen was von dem Stoff am Rechner "ausprobieren". In unserem Jahrgang hatte jeder eine deutliche Vorstellung davon, was Informatik ist und dass das so viel mit Computern zu tun hat, wie Mathematik mit Taschenrechnern. Diese Einsicht zu vermitteln, schafft die Schule heute offensichtlich leider nicht mehr.  So gesehen ist es auch kein Wunder, dass Informatik in der Schule nicht als NW anerkannt wird.
Mathematiker hat folgendes geschrieben : | | So etwas kostet viel Unterrichtszeit und daher schaffen wir in den 2 Jahren auch nur die Grundfertigkeiten der Programmierung. Leider. |
Schön, dass du es gerade noch selbst nachgetragen hast.  Würde das Fach so heißen (insbesondere auch in der Sek.II), wären die Erwartungen der SuS (auch später in der Uni/FH) sicher andere.
Aber dieses Thema "Informatik an der Schule" ist leider kein Sonderfall, die Schule schafft heute einfach nicht mehr das, wozu sie da ist: Grundfertigkeiten des Lebens und Überblick über weiterführende Möglichkeiten zu vermitteln.  Und deshalb haben wir auch noch lange nicht den Tiefpunkt der Dämlichkeit von Azubis/Studenten erreicht, weil die "ganz harten Fälle" haben den Weg duch diese Institution noch gar nicht angetreten...
Sicher hat die Gesellschaft und als deren kleinste Einheit die Familie was damit zu tun, aber wenn es zumindest der Gesellschaft als Ganzes und im Besonderen deren "Lenkern" nicht wichtig ist, den Nachwuchs halbwegs vernünftig auf´s Leben vorzubereiten, dann gute Nacht.
cu
Narses
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Mathematiker 
      
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Verfasst: Fr 14.12.12 00:59
Hallo Narses,
Du hast sehr viele Dinge vollkommen richtig genannt. Um es kurz zu machen:
Narses hat folgendes geschrieben : | Leider bestätigt mich deine Erläuterung in meinem Verdacht, dass der Karren unseres Schulsystems nicht im Dreck steckt, sondern schon (seit Jahren!) komplett darin versunken ist...  |
Genau das bringt es auf den Punkt!
Ich möchte meine Kollegen und mich nicht von jeder Schuld freisprechen, aber wir versuchen oft nur noch, das Schlimmste zu verhindern.
Ganz so schrecklich ist es aber an meinem Gymnasium dann doch nicht. In jedem Jahrgang haben wir eine Handvoll Schüler, die tatsächlich etwas können und auch ein klareres Bild von Informatik haben.
In der Sek II sind die Themen der Reihe nach Netzwerke, Algorithmen und höhere Datenstrukturen, Computergrafik (dort wird viel programmiert), Kryptographie, Datenbanken und zum Abschluss Theoretische Informatik (Sprachen, Automaten).
Mein Kurs 12 hat auch nur 6 Schüler, in der 11 sind es im Moment 12.
Beste Grüße
Mathematiker
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Tranx
      
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Verfasst: Fr 14.12.12 09:11
An alle, die meinen, "Informatik" sollte nur "Informatik", also Informationswissenschaft sein: Bitte keine Fundamentalismen. Bisschen locker bleiben.
Dann sollte man grundsätzlich alle Schulfächer umbenennen, denn Deutsch ist ja auch nur ein Teilbereich der Deutschen Sprache, Biologie bloß ein Teilbereich der Biologie usw.
Wenn ich mal Mathematik nehme, und das, was ich als Chemiker an Mathematik an der Uni hatte, dann war das, was ich an "Mathematik" im Gymnasium hatte, bloß "Rechnen". Kurvenintegrale, Laplace-Transformation, Analytische Geometrie - nicht wirklich in der Schule durchgenommen. Ein bisschen Integralrechnung und Sinus und Cosinus, das war's auch schon.
Ich habe immer noch in Erinnerung, dass man nicht für die Schule, sondern für's Leben lernt. Das war auch der Wahlspruch in meinem Gymnasium: Non scolae sed vitae discimus.
Wofür haben wir den einen eigenen Kopf? Ich muss doch nicht alles reingepaukt bekommen. Es geht in der Schule m.E. darum, die Zusammenhänge aufzuzeigen, Lernmethoden zu vermitteln und den Umgang mit Schwierigkeiten beim Lernen und Verstehen zu lernen, oder liege ich da völlig falsch?
Ich für meinen Teil habe nicht in der Schule Französisch und Englisch gelernt, sondern im Gebrauch der Sprache. Und das ist auch richtig so. Das gleiche wende ich jetzt bei Schwedisch an.
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Gausi
      
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Verfasst: Fr 14.12.12 09:19
So allgemein bin ich ja auch der Meinung, dass Informatik weitaus mehr ist als "Programmieren". Aber die "praktische Informatik" ist nunmal Teil der Informatik - und das bedeutet nunmal "programmieren". Wenn man in der Schule damit anfängt, und die theoretische und/oder technische Informatik später kommt, finde ich das prinzipiell in Ordnung. Hauptsache, es kommt keine Tabellenformatierung in Word dran (oder ähnlicher Quatsch)  .
@Schulsystem: Keine Ahnung, was da los ist. Kann sein, dass ich da zu sehr in einem Elfenbeinturm sitze. Aber manchmal erinnert mich das Programmier-Tutorium, das ich dieses Semester begleite an "Nachhilfe", die ich eine Zeitlang für 5er Schüler in der Mittelstufe gegeben habe. Beispiel:
| Zitat: | "So, jetzt rufen wir die Funktion ggT mit den Parametern a und b auf, also 'ge-ge-te von a und be'"
"Ok, wie schreibt man das denn, so?"
Quelltext |
Das war vielleicht halb schwerzhaft gemeint, aber in dem Augenblick ist in mir drin etwas gestorben, glaube ich.
Ich hoffe nur, dass die sehr geringe Teilnahme (da gibt es praktisch Einzelbetreuung, bei 400 angemeldeten Studenten) an den Programmierübungen daran liegt, dass die große Masse das schon alles kann - die Probeklausur war da ein kleiner Lichtblick. Statistisch betrachtet hat jeder bestanden (also nur 50% Durchfallquote).
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Lemmy
      
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Verfasst: Fr 14.12.12 11:20
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Xion
      

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Verfasst: Fr 14.12.12 11:32
Gausi hat folgendes geschrieben : | | Aber manchmal erinnert mich das Programmier-Tutorium, das ich dieses Semester begleite an "Nachhilfe", die ich eine Zeitlang für 5er Schüler in der Mittelstufe gegeben habe. |
Du darfst nicht vergessen, dass viele Leute überhaupt noch nie irgendwas programmiert haben. Ich war in Bayern auf einem MAT/NAT-Gymnasium und das, was wir in Informatik gemacht haben, war ziemlich lächerlich: Word, Excel, PowerPoint (70%), Robot Carol, Cara (20%), Java (10%). Achja, wir hatten nur 2 Jahre lang Informatik, d.h. 1/5 Jahr Java  Dazu kamen noch die Lehrer (das waren einfach irgendwelche Lehrer (Bio, Englisch, Physik), die das zusätzlich gemacht haben).
Du solltest also nicht allzu viel erwarten 
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Delphi-Laie
      
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Verfasst: Fr 14.12.12 16:22
Die (")Informatik("), die ich im Abitur hatte, bestand ausschließlich in der Kleincomputerprogrammierung mit BASIC.
Edit: Und um noch eins draufzusatteln, die "Mathematik" der Schule ist fast auschließlich Rechnen und vermittelt noch mehr einen falschen Eindruck über das eigentliche Wesen der Mathematik.
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Fiete
      
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Verfasst: Fr 14.12.12 18:21
Moin,
es gibt und gab sicher viel zu wenige Informatiklehrer, da die Schulwelt sicher nicht immer erfreulich ist.
Zu meiner aktiven Zeit gab es in Lüneburg und Scharnebeck eine kleine aktive Gruppe von Mathematikern und mir, die die Informatik an ihren Schulen vorangebracht haben.
Unser Ziel war es, die Schüler so studierfähig zu machen, damit sie die ersten zwei Semester unbeschadet überstehen konnten.
Weiteres könnt ihr hier sehen (von Hand codiert für IE, unterstützt von Ulli Meybohm)
meister-fiete.de/informatik/infstart.htm
Im Anhang befindet sich ein Abiturvorschlag von 1992
Informatische Grüße
Fiete
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Delphi-Laie
      
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Verfasst: Fr 14.12.12 18:30
Fiete hat folgendes geschrieben : | | Unser Ziel war es, die Schüler so studierfähig zu machen, damit sie die ersten zwei Semester unbeschadet überstehen konnten. |
Aufgabe des Hochschulreifeerwerbes ist es genaugenommen, die Studieninteressenten so vorzubereiten (und auszusieben), daß diese ein gesamtes Studium überstehen können, und zwar im Prinzip jedes. Leider ist das immer mehr verwässert worden. Anscheinend ist bei den Akademikern nicht mehr Klasse, sondern Masse angesagt.
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Xion
      

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Verfasst: Fr 14.12.12 18:36
Fiete hat folgendes geschrieben : | | Unser Ziel war es, die Schüler so studierfähig zu machen, damit sie die ersten zwei Semester unbeschadet überstehen konnten. |
Das ist meiner Meinung nach total überschätzt. In unserem ersten Semester gab es auch große Unterschiede. Da saßen Informatik Leistungskurs (die Turingmaschinen etc schon kannten) neben Leuten, die noch nie was mit Informatik zu tun hatten (mit dem Ziel, mal Computerspiele zu programmieren), und Leuten wie ich, die nur praktisch was programmieren konnten, aber nichtmal wussten, was genau ein Byte ist.
Ich glaube nicht, dass sich die Vorkenntnisse in den Klausuren des ersten(!) Semester messen liesen. Man ist allerdings stark im Vorteil, wenn man weiß WOZU man diese Datenstruktur und jenen Algorithmus und ne Formel mal einsetzen könnte, wenn man also an dem Thema interessiert ist.
Ich halte garnichts davon, den Leuten in der Schule Informatik "reinzuwürgen" (es reicht wenn man im Studium dann die üblen Sachen (zurecht) lernen muss). In der Schule sollte es eher darum gehen, die Begeisterung für das Fach zu fördern und etwas Grundwissen zu legen. Und zwar vor allem für diejenigen, die später nichts mehr mit Informatik zu tun haben (so wie man ja auch Biologie und Geschichte und Geographie hat).
Edit:
Delphi-Laie hat folgendes geschrieben : | | Anscheinend ist bei den Akademikern nicht mehr Klasse, sondern Masse angesagt. |
Es ist vor allem Masse bei den Abiturienten angesagt. Das liegt aber an der Gesellschaft (früher ist kaum ein Kind aufs Gymnasium. Ein Handwerk war mindestens genauso gut). Ich hoffe nur, dass die Universitäten/Hochschulen ihren Standard hoch halten. Sonst geht der gute Ruf der deutschen Studierten schnell flöten...
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Verfasst: Fr 14.12.12 20:10
Hallo,
nachdem durch Narses berechtigt kritisiert wurde, dass die LK in der Klasse 10 nur wenig mit Informatik zu tun hat, füge ich als anderes Beispiel die Abschlussklausur meiner Ex-Zwölfer von 2011 an.
Ich hoffe, dass diese Aufgaben eher den Vorstellungen der Profi-Informatiker entsprechen.
Das Ergebnis dieser Klausur war mit einem Punktdurchschnitt über 12 hervorragend. Von diesen Schülern studieren zwei Informatik in Chemnitz, zwei Mathematik und einer Physik. Dass einer an die Medizin verloren ging, ist schade.
Beste Grüße
Mathematiker
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FinnO
      
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Verfasst: Sa 15.12.12 12:20
Moin,
also zur letztgenannten Klausur kann ich nur sagen: Respekt. Ich hätte da sicherlich ohne Vorbereitung keine zwei geschrieben, was allerdings daran liegen mag, dass ich von theoretischer Informatik exakt keine Ahnung habe.
In Schleswig-Holstein, wo ich zur Schule gegangen bin, gibt es seitdem ich in der Oberstufe bin keine Leistungskurse mehr, deshalb ist solch ein Unterrichtstoff von vorneherein gar nicht erst denkbar, die Probleme des Informatikunterrichts im Klassenverband wurden ja schon angesprochen. Dieses Problem erstreckt sich natürlich auf alle Fächer, ich kann zwar nicht beurteilen, mir jedoch gut vorstellen, dass sich dadurch das Niveau der Abiturjahrgänge quasi im freien Fall, sowohl über die Zeit, als auch von Süd- nach Norddeutschland befindet. Ärgerlich.
Ich weiß nicht, wie es bei euch so ist, aber bei uns existiert eine Art Elternlobby die die Meinung vertritt, dass ihr Schätzchen ja ein Recht aufs Abitur hat, dabei möglichst keine Hausaufgaben machen soll und immer nur drei Stunden am Tag zur Schule gehen darf. G8 wird verschrien etc.
Themenwechsel: Ich finde, dass wenn es keine Leistungskurse gibt, geben kann, oder wenn ein Grundkurs stattfindet, wasweißich, dann sollte der Informatikunterricht auch lieber Grundlagen vermitteln, ich meine hier konkret die Programmierung. Ich weiß, dass wer Informatik kann, noch lange nicht Programmieren kann und umgekehrt, jedoch wird für einen Großteil der Schüler, Studenten usw. Programmieren wichtiger sein, als Informatik. Mir persönlich geht es zumindest so, und ich studiere ja nun nicht gerade Germanistik oder Russische Philologie. Algorithmen und Informatik kann man gottseidank auch wunderbar nachlesen, Programmieren lernt man jedoch einzig und allein durchs Machen, Machen, Machen. Dieses Machen wäre ja auch mal was, was man in der Schule einführen könnte.
LG
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Xion
      

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Verfasst: Sa 15.12.12 12:44
FinnO hat folgendes geschrieben : | | Ich weiß nicht, wie es bei euch so ist, aber bei uns existiert eine Art Elternlobby die die Meinung vertritt, dass ihr Schätzchen ja ein Recht aufs Abitur hat, dabei möglichst keine Hausaufgaben machen soll und immer nur drei Stunden am Tag zur Schule gehen darf. G8 wird verschrien etc. |
Es soll Fälle geben, in denen Kinder in der Grundschule Nachhilfe haben, damit sie den Übergang ans Gymnasium schaffen. Und sobald das Kind dann Probleme bekommt, ist natürlich der Lehrer/die Schule/das System Schuld. Keinesfalls das Kind. Meiner Meinung nach ist nicht jeder zum Akademiker geboren. Im Gegenteil: Gäbe es nur Akademiker, wären die irgendwie ziemlich nutzlos.
FinnO hat folgendes geschrieben : | | Algorithmen und Informatik kann man gottseidank auch wunderbar nachlesen, Programmieren lernt man jedoch einzig und allein durchs Machen, Machen, Machen. Dieses Machen wäre ja auch mal was, was man in der Schule einführen könnte. |
Sehe ich ähnlich, wobei meiner Meinung nach zum Grundwissen auch Hardware gehört. Toll fände ich da einen Block im Lehrplan, wo man mal einen Computer aufschraubt und sich mal die Teile genauer anguckt. So dass die Schüler danach wissen wie ein Computer aufgebaut ist und auch mal einen RAM-Riegel oder eine Grafikkarte wechseln können (also praktisches(!) Wissen). Das fällt zu Unrecht unter den Tisch.
Programmierkenntnisse werden auch an der Uni vorausgesetzt. Es gibt zwar im ersten Semester einen Überblick, aber die fehlende Erfahrung kann man dabei kaum aufholen. Vigenere-Verschlüsselung und formale Sprachen sind zwar nett, das lernt man dann aber auch im Studium (das benötigt auch keine Erfahrung). Ich habe damals Informatik studiert, weil ich programmieren so toll fand (und finde). Theoretische Informatik ist für mich eher Mittel zum Zweck, gute Algorithmen zu entwickeln und andere Ideen und Herangehensweisen für die Praxis zu finden. Sonst hätte ich ja gleich Mathematik studieren können (was mir garnicht liegt)  Trotzdem bin ich in theoretischer Informatik sehr gut und hab sogar dort (eine praktische) Bachelorarbeit gemacht.
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Verfasst: Sa 15.12.12 12:55
Hallo FinnO,
FinnO hat folgendes geschrieben : | | Ich weiß nicht, wie es bei euch so ist, aber bei uns existiert eine Art Elternlobby die die Meinung vertritt, dass ihr Schätzchen ja ein Recht aufs Abitur hat, dabei möglichst keine Hausaufgaben machen soll und immer nur drei Stunden am Tag zur Schule gehen darf. G8 wird verschrien etc. |
G8 haben wir schon immer. Du hast aber noch vergessen, dass die Eltern natürlich nur die besten Noten für ihre Kinderlein wünschen, äh, verlangen.
Übrigens ist seit 10 Jahren jedes Kinder hochbegabt, wenn man den Eltern glaubt.
FinnO hat folgendes geschrieben : | | Programmieren lernt man jedoch einzig und allein durchs Machen, Machen, Machen. Dieses Machen wäre ja auch mal was, was man in der Schule einführen könnte. |
Ich bin "hin und hergerissen". Zum einen kann ich Narses verstehen, zum anderen bin auch mit Dir einer Meinung. Wahrscheinlich sollte man die Stundenzahl für Informatik deutlich erhöhen. Mir fällt auch sofort ein, wo man sparen kann:
1 Wochenstunde Gemeinschaftskunde und 2 Stunden Ethik/Religion sind 3 Stunden "fast" das Gleiche und kürzbar. Wenn das meine Kollegen aus diesem Fachbereich lesen würden, hätte ich meinen Ruf als arroganter Nerd noch mehr gefestigt.
Was das Machen, Machen, Machen betrifft, versuchen wir dies ja in den Klassen 9 und 10.
Hallo Xion,
Xion hat folgendes geschrieben : | | Es soll Fälle geben, in denen Kinder in der Grundschule Nachhilfe haben, damit sie den Übergang ans Gymnasium schaffen. Und sobald das Kind dann Probleme bekommt, ist natürlich der Lehrer/die Schule/das System Schuld. |
Das ist normal. Daran habe ich mich gewöhnt.
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Delphi-Laie
      
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Verfasst: Sa 15.12.12 14:21
Für diesen Beitrag haben gedankt: FinnO
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Verfasst: Sa 15.12.12 20:59
Hallo Delphi-Laie,
Delphi-Laie hat folgendes geschrieben : | | Das muß nicht zwangsläufig für Genialität sprechen (hoffe ich aber), sondern auch in Unterforderung i.S. zu geringer Anforderungen begründet sein. |
Ich habe gar nicht gewusst, dass Du mit meinem Chef verwandt bist.
Sind die Noten nämlich nicht gut, war der Unterricht schlecht und die Kontrolle viel zu schwer. Ist das Ergebnis gut, war der Unterricht zwar auch schlecht, aber die Kontrollaufgaben viel zu leicht.
Deshalb bin ich seit langer Zeit für das Abschaffen aller Zensuren.  Es spart unglaublich viel Arbeit und Stress.
Delphi-Laie hat folgendes geschrieben : | Na, ist ein künftiger Arzt etwa allen Ernstes ein Verlust für Menschheit?  |
Das habe ich nicht geschrieben  Es war ein Verlust für die Naturwissenschaften und im konkreten Fall sogar ein großer!
Und bevor jetzt einer anmerkt, dass die Medizin zu den Naturwissenschaften gehört: Mein eigenes "großes" Kind ist Arzt und fühlt sich nicht(!) als Naturwissenschaftler.
Beste Grüße
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