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Delphi-Laie
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Delphi 2 - RAD-Studio 10.1 Berlin
BeitragVerfasst: Mo 16.12.13 12:10 
user profile iconTranx hat folgendes geschrieben Zum zitierten Posting springen:
Ganz ehrlich, ich habe da so meine eigene Meinung zu dem Thema. Doch die wollt ihr sicher nicht gerne hören.

Es gab früher eine solche Vielzahl von Ausnahmen und Ausnahmen von Ausnahmen. Einige davon sind abgeschafft worden, sicher nicht alle. Und diese Ausnahmen, weil oft überhaupt nicht logisch (Beispiel Hand - behende - händisch) wurden uns durch Diktatfehler regelrecht "eingeprügelt".


Richtig ist, daß "behende" ethymologisch von "Hand" abstammt. Aber warum gab es im Schriftlichen eine Vokalverschiebung? Weil "behende" inzwischen eine übertragene Bedeutung hat. "Behände laufen" ist unfreiwillig komisch und genaugenommen auch falsch.

Nach der Rechtschreibreform wurden auch solch immens häufig benutzten Wörter wie z.B. "Quäntchen" und "einbläuen" den Kindern eingebleut/einge"bläut", garniert mit der frechen Lüge, daß ersteres vom lat. Quantum, letzteres von blau abstammt.

Warum heißt es eigentlich jetzt nicht "Ältern", wenn doch (angeblich) alles so schön logisch ist? Der Plural von "Saal" nicht "Sääle"?

user profile iconTranx hat folgendes geschrieben Zum zitierten Posting springen:
Und nun, da wir sie "begriffen" haben, meinen wir, alle nach uns müssen durch das gleiche Jammertal. Weit gefehlt. Keiner muss! Und was soll die blödsinnige Regel: ("ss" am Ende bring nur Verdruß)? Eine Sprache lebt. Ansonsten würden wir wohl heute noch Thier für Tier schreiben. Oder gar in mittelhochdeutsch.


Du hast das Grundproblem anscheinend nicht einmal im Ansatz begriffen. Natürlich unterliegen Sprachen Veränderungen - und zwar ziemlich kontinuierlichen - und das sowohl die mündliche als auch die schriftliche. Die preußisch-teutonische Regelungswut, ja schon Ordnungswahn, gepaart mit der weltweit ziemlich weit vorn stehenden Obrigkeitshörigkeit (beides bedingt, evtl. sogar befördert einander) führten dazu, daß das Kulturgut "Schriftsprache" Anfang des 20. Jahrhunderts orthographisch nahezu eingefroren wurde. Dennoch gab es leichte - dann "regelwidrige" - Veränderungen, die "behutsam in den Duden aufgenommen" wurde. Die zweite Stufe der Anmaßung erfolgte ca. 90 Jahre später mit staatlich verordneter Zwangsveränderung. Es stellt ein beredtes, ja beschämendes Zeugnis über den mentalen Zustand einer ganzen (staatenübergreifenden) Sprachgemeinschaft dar, daß das nahezu ohne Gegenwehr, in aller Regel sogar willfährig folgend, durchgesetzt werden konnte. "Mir egal", "unwichtig" usw. Doch wer sich sogar ein Kulturgut (!), etwas, was im wahrsten Sinne Volkseigentum ist, von Staate vorschreiben läßt, wird auch bei anderen, noch substantielleren Dingen nur zögerliche Abwehr auftun. Das ganze hat also auch ein briliante Indikatorfunktion, was man auch später alles mit den Leutchens anzustellen wagen kann.

Im Zuge dieser "Reform" wurden Kinderbücher in "alter" Orthographie massenhaft aus Bibliotheken geräumt und wie Sondermüll entsorgt. Wann hatten wir das letzte Mal eine gezielte, staatlich gelenkte Buchvernichtungsaktion (und die war damals zunächst nur an einem Orte)? Da wurden und werden doch ganz unappetitliche Assoziationen geweckt.

Wer ein Kulturgut - mit staatlicher Macht im Rücken - so gezielt beschädigt, hat keine Achtung vor der Tradition, vor den Leistungen der Vorfahren. Das sind nicht nur Kulturbanausen, das ist schlichtweg dekadent.

Oder, um es mal von einem kapitalismuskritischen Ansatz her zu sehen: Auch die Orthographie ist nunmehr auch nur noch eine Ware - aus "gutem" Grunde natürlich eine mit nunmehr recht kurzem Verfallsdatum. Und gewisse Kasper, die sich vom Kapital willfährig vor ihren Karren spannen lassen (und das nicht einmal bemerken), verbreiteten vorher allen Ernstes die schon verschwörungstheoretische Behauptung, die Orthographie sei "ein vom Bürgertum installiertes Repressionssystem, um Kinder der unteren sozialen Schichten den Bildungsweg zu erschweren oder gar zu verwehren". Soll man darüber noch lachen, oder ist das schon zum Weinen?

Regeln sind übrigens nicht "blödsinnig" (nur für denjenigen, der sie nicht versteht), sondern eine Hilfestellung beim Erlernen. Ich kannte die Schluß-Verdruß-Regel zu meiner Schulzeit nicht und erlernte die Orthographie dennoch nahezu fehlerfrei, wie es vielen anderen auch gelang. Der Weg dorthin war für mich genauso mühsam wie für jeden anderen Schüler auch. Dennoch blieb genug Zeit, auch noch andere Dinge zu lernen. Alles eine Frage der Einstellung, des Fleißes, aber auch des Zwanges. Das trifft letztlich für jeden zu. Wenn dann von "Vater Staat" "Pustekuchen" verordnet wird, fühle ich mich - gelinde formuliert - veralbert, vor allem, wenn das Ergebnis schon beim ersten Augenscheine seine Minderwertigkeit offenbart und logischerweise dann auch auch alle Einführungsversprechen verfehlt.


Zuletzt bearbeitet von Delphi-Laie am Mo 16.12.13 18:41, insgesamt 8-mal bearbeitet
Delphi-Laie
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BeitragVerfasst: Mo 16.12.13 12:19 
user profile iconPerlsau hat folgendes geschrieben Zum zitierten Posting springen:
Da die meisten Menschen heute eher wenig bis gar nicht mehr lesen, weil sie vom Fernsehen davon abgehalten werden,


Nicht nur, auch vom Geschriebsel selbst. Man schlage nur mal irgendeine Tageszeitung auf. Diese Kindergartenorthographie, die weder "alt" noch "neu" entspricht, teilweise auch nicht einem Hybrid beider, ist einfach nur eine Zumutung und läßt mich oft genug das Lesen abbrechen. Wem dafür dessen Geld nicht zu schade ist....

user profile iconPerlsau hat folgendes geschrieben Zum zitierten Posting springen:
verflachen natürlich auch deren sprachliche Fähigkeiten (z.B. das Textverständnis) und Fertigkeiten (z.B. die Ausdrucksfähigkeit).


Oder es schützt sogar vor weiterer Verdummung, insbeondere der Kinder. Insofern ist das Fernhalten von Schriftwerken sogar ein Akt der Bildung. Der Spruch "Lesen gefährdet die Dummheit" verkehrt sich womöglich in seinen Gegensatz.


Zuletzt bearbeitet von Delphi-Laie am Mo 16.12.13 18:41, insgesamt 1-mal bearbeitet
Delphi-Laie
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BeitragVerfasst: Mo 16.12.13 14:34 
Wer immer noch von der Höherwertigkeit der "neuen" Orthographie überzeugt ist, mag versuchen, den eindeutigen Sinn aus folgenden Sätzen zu entnehmen:

Die Verehrung der Ahnen darf nicht schlecht gemacht werden.

Wohlstand verweichlicht - Armut ist Not.

Der Edle hat stets Not leidenden Menschen zu helfen.

Der Kluge hütet seine heißen Eisen und behält immer eine Hand voll im Feuer.

Oft stören Menschen fressende Tiger im Dschungel.

Der kluge Staatsmann überlässt Krieg führenden Staaten, ob sie Menschen verachtend angreifen oder nicht.

Ein Gewaltherrscher kann auch anders Denkende überzeugen.

Entsagt immer während der Orgie der Gewalt.

Eine sittsame Frau hat stets etwas Furcht erregend zu wirken.

Nicht jede viel versprechende Schöne gewährt nahe liegende Erfüllung.

Es zählt nicht, wie viel Glück, sondern wie viel Glück uns zuteil wird.

Kein Weiser braucht Hilfe suchenden Menschen den Weg zu weisen.

Bombay setzt im Kampf gegen Menschen fressende Leoparden auf Schweine.

Der Fahrer weiß, wie viel Leistung aus dem Motor herausgeholt werden kann.
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BeitragVerfasst: Mo 16.12.13 15:08 
Das ist das, wss ich immer gerne "Journalistendeutsch" nenne. Niemand außer denen verwendet solche Konstruktionen, bei denen sich dann mal eben Subjekt und Objekt dreht :-D

So ungefähr die Hälfte davon war übrigens nach Neuer Rechtschreibung falsch (im Sinne von "diese Schreibweise macht gar keinen Sinn", Furcht erregend statt furchterregend z.B, oder einfach wieviel) und wurde erst mit der "ich kann meine kaputte Grammatik nicht mehr verwenden"-Version extra erlaubt.

Leoparden auf Schweine zu setzen stelle ich mir aber lustig vor :lol:

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"The phoenix's price isn't inevitable. It's not part of some deep balance built into the universe. It's just the parts of the game where you haven't figured out yet how to cheat."

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BeitragVerfasst: Mo 16.12.13 16:17 
Begriffsverwirrte Menschen sind leichter zu lenken. Dumme Menschen sind leichter zu regieren. Uninformierte Menschen sind leichtgläuber ...

Die Verehrung der Ahnen darf nicht schlecht gemacht werden.
Genau: Man sollte sie, wenn schon, gut machen, am besten noch besser.

Wohlstand verweichlicht - Armut ist Not.
Den verstehe ich nicht ...

Der Edle hat stets Not leidenden Menschen zu helfen.
Womit die Definition des heutigen Edlen übereinstimmt: Er will nicht helfen, denn er verachtet die Leidenden. Edel ist, wer besser ist (oder: ißt: der Besseresser).

Der Kluge hütet seine heißen Eisen und behält immer eine Hand voll im Feuer.
Aua!

Oft stören Menschen fressende Tiger im Dschungel.
Deshalb gibt es ja auch den Tierschutz.

Der kluge Staatsmann überlässt Krieg führenden Staaten, ob sie Menschen verachtend angreifen oder nicht.
Weiß man doch: Wenn hier einer Krieg macht, dann ich, sagt der Ami.

Ein Gewaltherrscher kann auch anders Denkende überzeugen.
Könnte er vielleicht, aber Gewalt ist ihm lieber: Da muß man nicht so viel denken.

Entsagt immer während der Orgie der Gewalt.
Auf was er während der Gewaltorgie verzichtet, bleibt sein Geheimnis.

Eine sittsame Frau hat stets etwas Furcht erregend zu wirken.
Mann könnte das ja am Ende noch einladend finden und über sie herfallen.

Nicht jede viel versprechende Schöne gewährt nahe liegende Erfüllung.
Oje, da erwacht die sexuelle Phantasie ...

Es zählt nicht, wie viel Glück, sondern wie viel Glück uns zuteil wird.
Welches ist jetzt wohl das "wieviel" und welches das "wie viel"?

Kein Weiser braucht Hilfe suchenden Menschen den Weg zu weisen.
Der Weise hat die Landkarte eben im Kopf.

Bombay setzt im Kampf gegen Menschen fressende Leoparden auf Schweine.
Soll dann wohl abschreckend wirken, wenn die bösen Menschen die Leoparde sehen, wie sie genüßlich fressend auf den Schweinen hocken. Was die wohl gerade fressen? Knabbern die etwa an den Schweinen rum?

Der Fahrer weiß, wie viel Leistung aus dem Motor herausgeholt werden kann.
Ich auch: Gaspedal bis zum Anschlag durchdrücken :D

Für diesen Beitrag haben gedankt: Martok
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BeitragVerfasst: Mo 16.12.13 16:45 
user profile iconFinnO hat folgendes geschrieben Zum zitierten Posting springen:
ich sehe das ganze Ding mit den Rechtschreibreformen ehrlich gesagt nicht besonders wild.

Daran ist auch nichts Wildes: Eine ganz kontrollierte, von oben befohlene Reform eben, die ohne Murren hingenommen wird.

user profile iconFinnO hat folgendes geschrieben Zum zitierten Posting springen:
Das mag zum Teil daran liegen, dass ich erst 2000 in die Schule gekommen bin, das heißt also, die erste Reform ist durchaus an mir vorbei gegangen - ich kenne es nicht anders.

Dann bist du jetzt 19 oder 20 und kannst dir vielleicht noch gar nicht ausmalen, was so ein Reförmchen im Bund mit all den anderen Reförmchen an gesellschaftlichem Schaden anrichtet.

user profile iconFinnO hat folgendes geschrieben Zum zitierten Posting springen:
Zugegebenermaßen habe ich diese Geschichte mit Trennung und Nichttrennung (oder Nicht Trennung?) von zusammengesetzten Wörtern weitestgehend ignoriert.

Heißt: Du hältst dich selber auch nicht so ganz an die neue Rechtschreibung, die für dich ja die Rechtschreibung ist.

user profile iconFinnO hat folgendes geschrieben Zum zitierten Posting springen:
Das Problem was ich hier sehe, ist: man halt grundsätzlich die Schreibweise für sinnvoll, die man zu erst gelernt hat.

Mag sein. Doch müßten bei einer Rücknahme der neuen Orthographie weitaus weniger Leute umlernen als bei ihrer Einführung.

user profile iconFinnO hat folgendes geschrieben Zum zitierten Posting springen:
Wenigstens erscheint es mir als absurd, "daß" statt "dass" zu schreiben und auch mein Lesetempo ist in Texten mit dieser Schreibweise deutlich geringer.

Mit solchen Effekten wird der jetzigen Generation, die wie du gar nichts mehr anderes kennt, sämtliche Literatur, die mit der alten Rechtschreibung verfaßt wurde, erschwert: einer der gesellschaftlichen Schäden, die ich oben erwähnte. Man könnte natürlich einwenden, daß das sowieso alles Blödsinn sei und, wie es bereits einige Politiker zum Ausdruck brachten, die Leute nur verderben würde: Echte belesene Intellektuelle sind in diesen Kreisen ja nicht so gerne gesehen ... man hält sich da lieber einen Schlotterdick, der keinen vollständigen Satz ohne intellektuelles Stottern hervorbringt: Philosoph qua Studium, Respekt!

user profile iconFinnO hat folgendes geschrieben Zum zitierten Posting springen:
Trotz aller Kontroverse bin ich der Meinung, dass man sich - egal wie vermeintlich schlecht oder albern einem die jeweilige Reform erscheinen mag - an die neuen Regeln halten sollte, dnbn unterm Strich profitieren alle davon, wenn eine normierte Schreibweise eingehalten wird. Und zwar deutlich mehr, als ein einzelner im Gegenzug um seine Tradition trauern muss.

Leider ist es mir bislang nicht gelungen, den von dir erwähnten Profit aller auszumachen. Hilf doch bitte einem alten, geistesschwachen und altmodischen Sack zu verstehen, worin dieser Profit aller genau besteht. Auch benötige ich wohl Nachhilfe beim Vergleich dieses Profits mit der Trauer eines Einzelnen (meinst du dich etwa selber?) im Gegenzug um seine verlorene Tradition. Also ehrlich, ich gestehe, ich habe den Satz nicht wirklich verstanden. Am besten wäre es, du erklärst mir das nochmal für Dummies; ich bin ja alt und hab daher eigentlich keine Ahnung von so neumodischem Zeugs. Daß du als Ratgeber, der die unbedingte Einhaltung der Rechtschreibregeln empfiehlt, dich selbst nicht so streng daran halten mußt, ergibt sich natürlich von selbst, keine Frage.

Es geht meiner Ansicht nach nicht um Trauer, denn ich trauere nicht wegen dieser willkürlichen Reform, sondern bin eher darüber verärgert. Dabei ist Trauer gar nichts Schlimmes und wird von Therapeuten sogar empfohlen, um einen erlebten Verlust zu überwinden. Aber da bin ich wohl auch altmodisch ...

War das jetzt wieder zu scharf? Ich hab diesmal nur ganz mild gewürzt :roll:
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BeitragVerfasst: Mo 16.12.13 16:52 
@Perlsau: Wir (Du und ich und der ganze Rest der Ü40-er) müssen uns wohl daran gewöhnen, dass man in Zukunft genauso schreiben darf, wie man spricht; und dass dann auch noch richtig ist.

Die "nächste Reform" steht schon an: Da man das "-er" am Wortende nicht mehr (deutlich) ausspricht/aussprechen kann, stattdessen ein (unbetontes) "a" spricht, werden (wohl oder übel) diese Wörter bald auch schon so geschrieben...

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Daniel Bauer
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BeitragVerfasst: Mo 16.12.13 17:01 
Genau, Perlsau, ich begreife nichts. Das hast du richtig erkannt. Darum schreibe ich auch bloß Quatsch und mache nur Blödsinn. Genau. Hast Recht. Doch wer weiß, wie wir in Zukunft überhaupt sprechen und schreiben? Und ob wir das überhaupt noch tun bzw. tun können. Da ist mein Quatsch echt noch harmlos, wenn ich daran denke, wie in dieser Welt manche Menschen brutal die Zukunft verspielen. Ich glaube, da brauche ich mir über ss, ß, s, ä , e, getrennt oder zusammen geschrieben kaum noch irgendeinen Gedanken machen. Wenn die Menschheit es innerhalb eines Jahrhunderts geschafft hat, 50% der Wälder dieser Erde fast irreparabel zu vernichten, brauche ich mir wohl über Zukunft und unsere Sprache keine Gedanken mehr zu machen.

Wir können gerne die Schreibweise vor der Reform wieder einführen, wenn's besser gefällt, ich hänge nicht dran. Was soll's, ob wir das tun, oder in China fällt eine Leiter um, hat soweit das gleiche Ergebnis zur Folge.

Aber jetzt laber ich wieder totalen Quatsch und höre definitiv auf. Basta.

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BeitragVerfasst: Mo 16.12.13 17:08 
Zitat:
Dann bist du jetzt 19 oder 20 und kannst dir vielleicht noch gar nicht ausmalen, was so ein Reförmchen im Bund mit all den anderen Reförmchen an gesellschaftlichem Schaden anrichtet.


Und ich bin alt genug um zu Wissen das keine Reform auch keine Lösung ist. Es wird bei uns zuviel verhindert und im Status Quote verharrt weil die angebotenen Lösung eben nicht perfekt sind (und auch nicht sein können) anstatt loszugehen und auf dem Weg zu korrigieren.

Für diesen Beitrag haben gedankt: papa69, Tranx
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BeitragVerfasst: Mo 16.12.13 17:09 
Hallo Daniel Baua, ich übe schonmal :D

user profile iconpapa69 hat folgendes geschrieben Zum zitierten Posting springen:
@Perlsau: Wir (Du und ich und der ganze Rest der Ü40-er) müssen uns wohl daran gewöhnen, dass man in Zukunft genauso schreiben darf, wie man spricht; und dass dann auch noch richtig ist.

Ich widersetze mich und schreibe weiterhin das mit nur einem s, wenn man es mit dieses oder welches ersetzen könnte, ansonsten weiß ich, daß ich ein ß benötige.

user profile iconpapa69 hat folgendes geschrieben Zum zitierten Posting springen:
Die "nächste Reform" steht schon an: Da man das "-er" am Wortende nicht mehr (deutlich) ausspricht/aussprechen kann, stattdessen ein (unbetontes) "a" spricht, werden (wohl oder übel) diese Wörter bald auch schon so geschrieben...

Ich als Ü50er werde mich auch diesem Reförmchen widersetzen, sollte ich's noch erleben dürfen. Nach mir die Sintflut :x
Delphi-Laie
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BeitragVerfasst: Mo 16.12.13 17:56 
user profile iconTranx hat folgendes geschrieben Zum zitierten Posting springen:
Aber jetzt laber ich wieder totalen Quatsch und höre definitiv auf. Basta.


Einsicht ist der erste und beste Weg zur Besserung. Mal im Ernst: Dir scheint wirklich ein wenig die Reife und der historische Über-/Weitblick zu fehlen, um Dir einigermaßen fundiert ein Urteil zu erlauben.

Noch einmal (da Wiederholungen evtl. zu stärkerer Verinnerlichung führen): Es geht überhaupt nicht darum, ob wir "daß" (Adelung) oder "dass" (Heyse) schreiben, solang wir, die Sprachgemeinschaft, wir, die es uns alle betrifft, das selbst entscheiden (dürfen und können). Wenn ich jedoch eines zum Tode nicht ausstehen kann, dann das, "von oben" etwas aufgezwungen zu bekommen, noch dazu so etwas minderwertiges wie eine "reformierte" Orthographie, also eines Kulturgutes, das den Staat ja nun überhaupt nichts angeht, erst recht nicht dessen Veränderung zusteht. Menschheitszwangsbeglücker hatte die Geschichte schon zuhauf, die sind allesamt gescheitert und werden es gesetzmäßig auch immer wieder tun. Leider sterben diese nicht aus, sondern haften an der Menschheit, vor allem am Okzident wie die Kletten.

Die Sprachgemeinschaft ist intelligent genug, über lange Zeiträume Wissen und Intelligenz zu akkumulieren und so zu einer Reife bis (nahezu) Perfektion zu gelangen. Und eben deshalb hatten sich Adelungs Vorschläge und nicht die von Heyse durchgesetzt - und das ganz ohne Kultusminister(konferenzen), Rechtschreibräte, Reformkommissionen & Co., all' diesen selbsternannten Besserwissern, die es eben nicht besser wissen, denn ansonsten hätte diese "Reform" ihre Ziele ja erreicht, stattdessen verfehlt.

Noch etwas anderes: Deine Signatur verrät, welch hohes Maß an Indoktrination und Dogmatik auch heutzutage schon wieder im Lehrbetrieb auf die Jugend einprasselt, wofür Du natürlich nichts kannst. Ich wette, daß Du nicht einmal weißt, was "Toleranz" überhaupt ist bzw. eigentlich bedeutet: Sie bzw. es (dieses Wort) stammt von lat. "tolerare" und bedeutet ertragen, erdulen, erleiden. Warum sollte ausgerechnet das, und erst recht die Ursache davon, nämlich die Zumutung, eine Grundvoraussetzung für das Leben sein? Kommt vor der Zumutung nicht die Bringeschuld, eine solche nach Möglichkeit zu vermeiden, wenigstens möglichst zu verringern, damit der andere eben nicht unnötig ertragen, erdulden, erleiden muß? Konsequenz: Gehört nicht gerade die Rücksichtsnahme zu einer unabdingbaren Voraussetzung für ein harmonisches Miteinander, und zwar noch um Lichtjahre vor der Zumutung?


Zuletzt bearbeitet von Delphi-Laie am Mo 16.12.13 18:35, insgesamt 4-mal bearbeitet

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BeitragVerfasst: Mo 16.12.13 18:26 
[Selbsterkenntnis]
ich mag diese "Diskussion"
{solange sie sachlich ist/bleibt}
[/Selbsterkenntnis]


Das "von oben" ist (leider) für die jetzige junge Generation (leider) schon selbstverständlich (geworden).
Das "Denken" überlassen sie den anderen. Ich habe schon selber erlebt, wie ein junger Mensch auf die Frage/Aufforderung des Chefs, etwas wegzuräumen, antwortete: "Nee, das mache ich nicht, ich habe es ja schließlich nicht hingetan..."

Um jetzt noch mit meinem Lieblingszitat zu trumpfen/anzugeben:
Zitat:

Wir standen ... kurz vor dem Abgrund. Jetzt sind wir einen großen Schritt weiter.


Solange es der (eigenen) Bequemlichkeit dient, ist es gut, ansonsten wird soweit gebogen, das es passt.

Es geht ja nicht nur um die Rechtschreibreform, von Brüssel wird noch ganz anderer (Bock-)Mist verbreitet (=reglementiert).
Solange das immer nur geduldet wird, wird dieser Irrsinn auch nicht aufhören. Zumal es dafür immer neue "Arbeitsplätze" für "Politiker" geben wird, die nicht zu knapp bezahlt werden.

Und (hier in dieser Diskussion) geht es ja wirklich "nur" um (unsere) Sprache, in die sich die Politik wirklich nicht einmischen sollte...

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BeitragVerfasst: Mo 16.12.13 18:39 
user profile iconPerlsau hat folgendes geschrieben Zum zitierten Posting springen:
Daß du als Ratgeber, der die unbedingte Einhaltung der Rechtschreibregeln empfiehlt, dich selbst nicht so streng daran halten mußt, ergibt sich natürlich von selbst, keine Frage.


Meiner Kenntnis nach, war die jüngste Reform eher eine Erweiterung um weitere Schreibweisen, die zusätzlich erlaubt sind. Das heißt, man kann sie ignorieren, ohne gegen sie zu verstoßen.

user profile iconPerlsau hat folgendes geschrieben Zum zitierten Posting springen:
War das jetzt wieder zu scharf? Ich hab diesmal nur ganz mild gewürzt :roll:

Scharf fand ich dich noch nie :mrgreen:.
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BeitragVerfasst: Mo 16.12.13 18:46 
user profile iconFinnO hat folgendes geschrieben Zum zitierten Posting springen:
user profile iconPerlsau hat folgendes geschrieben Zum zitierten Posting springen:
Daß du als Ratgeber, der die unbedingte Einhaltung der Rechtschreibregeln empfiehlt, dich selbst nicht so streng daran halten mußt, ergibt sich natürlich von selbst, keine Frage.


Meiner Kenntnis nach, war die jüngste Reform eher eine Erweiterung um weitere Schreibweisen, die zusätzlich erlaubt sind. Das heißt, man kann sie ignorieren, ohne gegen sie zu verstoßen.


Wie gesagt, fehlende Kenntnis allerorten, auch hier.

Ausgerechnet beim "Geßlerhut", am "Lackmustest" der Rechtschreib"reform", nämlich der ss-ß-Verbiegung, anhand dessen man sofort zwischen Opportunisten und "Querulanten" unterscheiden kann (eigens dafür wurde er wahrscheinlich installiert), wurde Repression angewandt, denn "daß" & Co. werden den Schulkindern (aber auch Mitarbeitern des öffentlichen Dienstes entgegen dem Urteil des BVerfG) verboten. Warum wohl?

Alternativschreibweisen verstoßen auch gegen den Grundgedanken einer Schreibnorm. Las ich doch kürzlich, daß - phonetisch begründet, da in süddeutschen Dialekten vorkommend - neben dem "Spaß" auch der "Spass" "erlaubt" werden soll.

Was soll dieser Kinderkram??


Zuletzt bearbeitet von Delphi-Laie am Di 17.12.13 14:14, insgesamt 1-mal bearbeitet
Perlsau
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BeitragVerfasst: Mo 16.12.13 19:48 
Damit sprichst du einen weiteren Aspekt der nun nicht mehr so neuen Rechtschreibregeln an: Die Kontrollmöglichkeit. Klar, wer sich nicht daran hält, der kann schonmal kein guter Untertan sein, und den muß man gut im Überwachungsauge behalten, auf daß er nicht, wenn die dereinst völlig Verarmten der Reichenminderheit ans Leder wollen, mit konspirativer Intelligenz den Aufrührern (heute sagt man: Terroristen) Unterstützung bietet. Dabei wurde doch bereits im Grundgesetz festgeschrieben:

Artikel 20 Abs. 2: "Gegen jeden, der es unternimmt, diese Ordnung zu beseitigen, haben alle Deutschen das Recht zum Widerstand, wenn andere Abhilfe nicht möglich ist."

Aber psst, nicht groß rumposaunen, das wissen die Allerwenigsten ...